Benchmark-Analyse klingt nach Konzernfolter, ist aber in Wahrheit ein ziemlich simples Prinzip: Du vergleichst deine eigenen Kennzahlen mit sinnvollen Referenzwerten und erkennst sofort, wo du gut bist und wo du dir gerade selbst ein Bein stellst.
Im Marketing und CRM heißt das ganz konkret: Du stellst z. B. Conversion Rate, CAC, Retention oder ROMI den Benchmarks aus deiner Branche, deiner Peer-Group oder deinen eigenen historischen Bestwerten gegenüber. Nicht um dich schlecht zu fühlen, sondern um realistische Ziele zu setzen und klare Maßnahmen abzuleiten.
TL;DR: Benchmarkanalyse im Marketing
- Eine Benchmarkanalyse vergleicht deine KPIs mit sinnvollen Referenzwerten.
- Wichtig sind saubere KPI-Definitionen, passende Vergleichsgruppen und verlässliche Daten.
- Im Marketing helfen Benchmarks bei Conversion Rate, CAC, Retention, CLV und ROMI.
- Der größte Fehler: Zahlen vergleichen, ohne Kontext, Zielgruppe und Messlogik zu prüfen.
- Gut wird Benchmarking erst, wenn daraus konkrete Tests, Aufgaben und Verantwortlichkeiten entstehen.
In diesem Artikel zeige ich dir, was eine Benchmark-Analyse ist, wie du sie Schritt für Schritt aufsetzt und welche typischen Fehler du vermeiden solltest, damit du am Ende nicht Äpfel mit Birnen benchmarkst.
Was ist eine Benchmark-Analyse?
Eine Benchmark-Analyse ist ein systematischer Vergleich deiner Kennzahlen, Prozesse oder Ergebnisse mit Referenzwerten (Benchmarks). Diese Benchmarks können aus deiner Branche, deiner Peer-Group, von Wettbewerbern oder aus deinen eigenen historischen Bestwerten stammen. Ziel ist nicht „schöner aussehen“, sondern realistische Ziele zu setzen und konkrete Verbesserungen abzuleiten.
Im Marketing und CRM betrifft das oft KPIs wie Conversion Rate, Customer Acquisition Cost (CAC), Retention oder ROMI. Eine gute Benchmark-Analyse beantwortet vor allem: Wo liegen wir im Vergleich und was tun wir als Nächstes?
Was ist Benchmarking?
Benchmarking ist das Vergleichen der eigenen unternehmerischen Leistung mit der jener anderer Unternehmen oder Abteilungen. Aus den Ergebnissen einer Benchmarkanalyse lassen sich Maßnahmen zur Optimierung im eigenen Unternehmen ableiten. Ein Benchmark dient im Marketing und Sales häufig auch zur Motivation und als Ansporn.
Benchmarking beschreibt einen ständigen Prozess des Strebens eines Unternehmens nach Verbesserung von Leistungen und Prozessen durch Orientierung an internen oder externen Bestleistungen.“
Quelle: Deutsches Institut für Marketing
Voraussetzung: Die Leistungen bzw. die Leistungskennzahlen sind vergleichbar. Das ist nicht immer selbstverständlich, weil diese Zahlen nicht immer korrekt sind und auch nicht einheitlich ermittelt werden.
Benchmark-Analyse erstellen in 7 Schritten
- Ziel festlegen: Was willst du verbessern oder entscheiden (z. B. Budget, Kanal, Funnel-Stufe)?
- KPIs definieren: Lege 3–7 Kennzahlen fest und schreib die Berechnungslogik dazu, damit ihr intern alle dasselbe meint.
- Peer-Group wählen: Welche Unternehmen sind wirklich vergleichbar (Größe, Markt, Geschäftsmodell, Reifegrad)?
- Datenquellen sichern: Interne Daten plus externe Benchmarks. Bei Wettbewerbern helfen oft SEO- und Content-Daten, z. B. über eine SEO-Konkurrenzanalyse.
- Daten bereinigen: Ausreißer, Sondereffekte, unterschiedliche Zeiträume und Tracking-Probleme rausnehmen.
- Vergleichen und erklären: Nicht nur „wir sind schlechter“, sondern warum. Häufig hängt es an Zielgruppen, Angebot, Kanal-Mix oder Journey.
- Maßnahmen ableiten: 3–5 konkrete Tests/Optimierungen, Verantwortliche, Deadline und Erfolgskriterium festlegen (am besten im Rahmen deiner Kampagnenplanung).
Arten von Benchmark-Analysen
Gemeinhin lassen sich drei unterschiedliche Benchmarking-Varianten unterscheiden.
- Internes Benchmarking: Vergleich der eigenen Abteilung bzw. Sparte mit der anderer innerhalb desselben Unternehmens (z. B. Marketing EMEA mit Marketing Nordamerika)
- Externes Benchmarking: Vergleich mit Unternehmen innerhalb derselben Branche. Hierzu gehört auch das Wettbewerbs-Benchmarking (Vergleich mit direkten Wettbewerbern)
- Funktionales Benchmarking: Vergleich mit Unternehmen außerhalb der eigenen Branche, welche mit vergleichbarer Problemstellung konfrontiert sind. Hier geht es um die Identifikation verwendeter Technologien und Strategien.
In der Praxis am verbreitetsten ist das (externe) Wettbewerbs-Benchmarking. Aufgrund der direkten Konkurrenzbeziehung sind hier die Stärken des einen automatisch die Schwächen des anderen. Das macht den Vergleich besonders wertvoll.
Informationsquellen für Benchmark-Analysen
Vor allem Wettbewerbs-Benchmarking scheitert oft daran, dass zu wenig aktuelle und valide Informationen für einen umfassenden Vergleich vorliegen. Insbesondere zu operativen Kennzahlen. Auch die üblichen Datenprovider können hier kaum helfen.
Was sich mithilfe der gängigen Tools zur SEO-Konkurrenzanalyse relativ einfach ermitteln lässt, sind Informationen über Keywords, Rankings und Content von Wettbewerbern. Vor allem dann, wenn deren Websites in großem Umfang Traffic generieren.
Benchmark-Analyse im Marketing
Aufgabe und Ziel
Marketing-Benchmarking soll Antworten darauf liefern, welche Strategien und Taktiken funktionieren und welche nicht.
Zum Beispiel auf Fragen wie diese:
- Sind die Akquisekosten (CAC) zu hoch?
- Ist die Retention Rate angemessen?
- Ranken Webseiten für relevante Suchbegriffe?
- Sind die realisierten Konversionsraten gut?
- Ist der Kundenlebenswert (CLTV) akzeptabel?
- Ist der ROI / ROMI akzeptabel?
Darüber hinaus liefern die Ergebnisse wertvolle Informationen darüber, welche Ziele im Rahmen einer Marketingstrategie oder Kampagnenplanung realistisch sind und welche eher nicht.
Beispiel für eine Benchmark-Analyse im Marketing
Angenommen, dein Newsletter hat eine Öffnungsrate von 17 %. Klingt erstmal „okay“. Erst der Vergleich zeigt, ob das wirklich stimmt:
- Dein Wert: 17 % Öffnungsrate
- Benchmark (Peer-Group): 24 %
- Interpretation: Es gibt Potenzial in Betreffzeilen, Versandlogik, Segmentierung oder Relevanz.
Wichtig: Eine Benchmark funktioniert nur, wenn die Zielgruppen vergleichbar sind. Sonst benchmarkst du am Ende einen Sportwagen gegen einen Einkaufswagen. Für die saubere Abgrenzung hilft oft ein kurzer Check der Zielgruppe und der Customer Journey.
Vorlage: Benchmark-Analyse (Copy & Paste)
| Bereich | KPI | Definition / Formel | Dein Wert | Benchmark | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|---|
| Öffnungsrate | Unique Opens / zugestellte E-Mails | 17 % letzte 30 Tage |
24 % Peer-Group / Report |
Betreff-Test + Segmentierung Owner: CRM, bis TT.MM.JJJJ |
|
| Paid | CAC | Kosten / Neukunden | 120 € Q4 |
95 € Historie / Markt |
Landingpage-Test + Ausschlüsse Owner: Performance, bis TT.MM.JJJJ |
| Content / SEO | Organische Leads | Leads aus Organic / Monat | 35 letzte 30 Tage |
50 interner Bestwert |
Top-URLs updaten + interne Links setzen Owner: Content, bis TT.MM.JJJJ |
| CRM | Retention | Aktive Kunden / Startkohorte | 62 % 90 Tage |
70 % Peer-Group |
Onboarding-Flow prüfen und verbessern Owner: CRM, bis TT.MM.JJJJ |
| Funnel | Landingpage-Conversion | Conversions / Sessions | 1,8 % letzte 30 Tage |
2,5 % Branche / Vergleichsgruppe |
Hero, Proof und CTA testen Owner: Web, bis TT.MM.JJJJ |
Welche Tools helfen bei einer Benchmarkanalyse im Marketing?
Für eine gute Benchmarkanalyse brauchst du nicht zwingend ein riesiges Toolset. Wichtiger ist, dass du deine Datenquellen sauber verstehst und die Kennzahlen einheitlich definierst. In der Praxis reichen oft schon wenige Werkzeuge.
- Google Search Console: für organische Rankings, Klicks, Impressionen und CTR-Vergleiche.
- GA4 oder Plausible: für Traffic, Landingpages, Events und Conversion-Daten.
- CRM-System: für Leads, Opportunities, Kundenstatus, Retention und Umsatzbezug.
- E-Mail-Marketing-Tool: für Öffnungen, Klicks, Abmeldungen, Bounces und Kampagnenleistung.
- Looker Studio oder Tabellen: für einfache KPI-Dashboards und regelmäßige Auswertungen.
- SEO-Tools wie Sistrix, Ahrefs oder Semrush: für Wettbewerbsdaten, Keywords und Content-Vergleiche.
Mein Tipp: Starte lieber mit wenigen stabilen Kennzahlen als mit einem Dashboard, das aussieht wie das Cockpit einer Boeing. Wenn die Datenbasis nicht stimmt, hilft auch das schönste Reporting nicht weiter.
Fazit
Eine Benchmark-Analyse bringt Ordnung ins KPI-Chaos: Du siehst, was wirklich gut läuft, wo du hinterherhängst und welche Ziele realistisch sind. Entscheidend ist, dass du saubere KPI-Definitionen nutzt, eine passende Peer-Group wählst und aus jedem Gap konkrete Tests ableitest. Dann wird aus „Vergleichen“ endlich „Verbessern“ – und genau dafür lohnt sich der Aufwand.
Häufige Fragen zur Benchmarkanalyse im Marketing
Was ist eine Benchmarkanalyse im Marketing?
Eine Benchmarkanalyse im Marketing vergleicht deine eigenen Kennzahlen mit passenden Referenzwerten. Das können Branchenwerte, Wettbewerberdaten, Peer-Groups oder historische Bestwerte aus deinem eigenen Unternehmen sein.
Welche KPIs eignen sich für eine Benchmarkanalyse?
Typische KPIs sind Conversion Rate, Customer Acquisition Cost, Customer Lifetime Value, Retention Rate, Öffnungsrate, Klickrate, ROMI und Lead-zu-Kunde-Rate. Wichtig ist, dass alle Kennzahlen sauber definiert und vergleichbar erhoben werden.
Was ist der häufigste Fehler beim Benchmarking?
Der häufigste Fehler ist der Vergleich ohne Kontext. Wenn Zielgruppe, Kanal, Datenqualität, Zeitraum oder Messlogik nicht vergleichbar sind, liefert die Benchmarkanalyse schnell falsche Schlüsse.
Ergänzende Artikel
Benchmarks zeigen schnell, wo Kampagnen hinter dem Markt bleiben. Genau an der Stelle lohnt sich ein klarer Blick auf Strategie, Inhalte und Setup. Ich schaue mit dir drauf und finde die Hebel, die im E-Mail-Marketing wirklich etwas bewegen.
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