E-Mail-Marketing-Strategie entwickeln: Framework nach Zielen & Geschäftsmodell

E-Mail-Marketing-Strategie entwickeln: Framework nach Zielen & Geschäftsmodell

Eine der ältesten Online-Marketing-Disziplinen ist auch eine der Spannendesten: E-Mail-Marketing. Doch die E-Mail ist selbst ihr größter Feind: Sie funktioniert so gut, dass viele Versender einfach losmailen. Ohne Strategie. Ohne Plan. Deshalb zeige ich heute mal auf, wie sich ohne großen Aufwand schlagkräftige E-Mail-Marketing-Strategien entwickeln lassen.

In 2 Minuten zur passenden E-Mail-Strategie

Bevor du Taktiken auswählst, kläre zwei Dinge: Geschäftsmodell und Primärziel. Sonst baust du sehr fleißig… am falschen Haus. 😉

1) Welches Geschäftsmodell trifft am ehesten zu?

  • E-Commerce (Shop, Wiederkäufe, Warenkorb)
  • SaaS (Trial, Activation, Churn)
  • Publisher/Media (Engagement, Abo, Werbeinventar)
  • B2B Leadgen/Services (Pipeline, Termine, Deals)

2) Was ist dein Primärziel für die nächsten 6–12 Monate?

  • Umsatz steigern (direkt oder assistiert)
  • Retention erhöhen (Wiederkäufe, Nutzung, Verlängerung)
  • Aktivierung verbessern (Onboarding, First Value)
  • Leads/Pipeline aufbauen (MQL → SQL)
  • Zustellbarkeit stabilisieren (Inbox, Beschwerden, Reputation)

Merksatz: Gleiches Tool, gleiche “Best Practice”, komplett anderes Ergebnis – je nach Modell und Ziel.

Inhaltsangabe

Was ist E-Mail-Marketing?

E-Mail-Marketing (kurz EMM bzw. Email Marketing) ist ein spezieller Marketingansatz für den systematischen elektronischen Dialog mittels E-Mail. Im Marketing-Mix dient sie vor allem der Kommunikation (Promotion). Ein typisches Kommunikationsinstrument im EMM ist zum Beispiel der redaktionelle Newsletter.

Ihren Ursprung hat E-Mail-Marketing vor allem im Direktmarketing und verhalf Konzepten wie Database Marketing und CRM zum Durchbruch.

Bedeutung in 2026

Mit dem Ende von Third-Party-Cookies und steigenden Werbekosten spielt die E-Mail eine strategisch wichtige Rolle im Online-Marketing. Denn es ermöglicht einen digitalen Dialog mit (potenziellen) Kunden auf Basis von First-Party-Data. Weitgehend unabhängig von den großen Tech-Konzernen, auch GAFAM genannt (Google-Mutter Alphabet, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft).

Was ist eine E-Mail-Marketing-Strategie?

Eine E-Mail-Marketing-Strategie ist dein Plan, wie du mit E-Mails ein konkretes
Geschäftsziel erreichst. Sie beschreibt den Weg zum Ziel
(für welche Zielgruppen, in welchen Journey-Phasen und mit welchem Wertversprechen)
– aber noch nicht die einzelnen Maßnahmen oder Tool-Features.

Ziel vs. Strategie vs. Taktik (kurz & schmerzlos)

  • Ziel: Was soll sich verbessern? (z. B. Retention steigern, Churn senken)
  • Strategie: Wie erreichen wir das grundsätzlich? (z. B. segmentiert entlang der Journey Mehrwert liefern)
  • Taktiken: Was tun wir konkret? (z. B. Post-Purchase-Serie, Winback, Warenkorbabbruch)

Merksatz: Ohne Strategie wird E-Mail-Marketing schnell zum „Newsletter an alle“. Mit Strategie wird es ein System.

Die Basis jeder Strategie: Geschäftsmodell & Zielhierarchie klären

Eine Strategie wird belastbar, wenn sie Ziele in eine klare Reihenfolge bringt: Goal → operative Ziele → KPIs → Hebel → Taktiken.

Mini-Template (einfach ausfüllen)

EbeneBeispiel
Unternehmensziel (Goal)Churn um 20% senken / Umsatz pro Kunde steigern / Pipeline erhöhen
Operative ZieleActivation-Rate +15% / Wiederkaufquote +10% / Terminrate +20%
KPIsConversion, Revenue, Retention, Beschwerderate, Bounce-Rate, Engagement
HebelSegmentierung, Onboarding, Inhalte, Frequenz, Datenhygiene, Offer-Logik
TaktikenWelcome-Serie, Post-Purchase, Winback, Preference Center, Sunset Flow
E-Mail-Marketing KPIs

Schritt 1: Ziele & Fokus-KPIs festlegen

Eine Strategie ist kein Wunschzettel. Du brauchst ein Primärziel (6–12 Monate) und wenige Fokus-KPIs, die du wirklich steuerst.

So gehst du vor

  • Primärziel wählen: Umsatz, Retention, Aktivierung, Pipeline oder Zustellbarkeit.
  • 2–4 Fokus-KPIs definieren: nicht „alles messen“, sondern „das Richtige steuern“.
  • Baseline + Zielwert: Wo stehst du heute? Wo willst du hin?
  • Zeitraum + Segment: z.B. Neukunden vs. Bestandskunden, Trial vs. Paid, aktive vs. inaktive Empfänger.

Beispiel (E-Commerce, Ziel: Retention)

  • Primärziel: Wiederkäufe steigern
  • Fokus-KPIs: Repeat Purchase Rate, Umsatz pro Empfänger, Reaktivierungsrate, Abmelderate
  • Zeitraum: 6 Monate

Schritt 2: Strategie formulieren (ohne Taktiken & Tool-Features)

Jetzt kommt der wichtigste Teil: Du beschreibst den Weg zum Ziel – aber noch nicht, welche Mails du konkret baust oder welches Tool das kann.

Der beste Satzbau für Strategien

„Wir erreichen <Ziel>, indem wir <Zielgruppe/Segment> in <Phase der Journey> mit <Wertversprechen> versorgen, um <gewünschtes Verhalten> zu erhöhen und <Risiko> zu reduzieren.“

Strategie-Checkliste

  • Zielgruppe & Segmente: Für wen gilt das? (Neukunden, Churn-Risiko, Power User …)
  • Journey-Phase: Onboarding, Nutzung, Wiederkauf, Renewal, Reaktivierung
  • Wertversprechen: Warum soll der Empfänger reagieren?
  • Friction Points: Was bremst aktuell? (fehlender Aha-Moment, zu viel Werbung, falsche Frequenz …)
  • Trade-offs: Was lassen wir bewusst weg? (z.B. weniger Blast-outs, dafür mehr Lifecycle)

Beispiel-Strategie (SaaS, Ziel: Churn senken)

„Wir senken Churn, indem wir Nutzer nach Aktivität und Reifegrad segmentieren und sie entlang der Nutzung mit hilfreichen Impulsen und Next Steps begleiten, damit sie schneller Time-to-Value erreichen und weniger Frust entsteht.“

Schritt 3: Taktiken ableiten (konkrete Maßnahmen)

Erst jetzt wird’s operativ: Du leitest aus der Strategie Taktiken ab. Jede Taktik sollte klar auf mindestens eine Fokus-KPI einzahlen.

So wählst du Taktiken aus

  • Pro Segment 1–3 Taktiken: sonst wird’s ein Bauchladen.
  • Pro Taktik: Ziel-KPI + Hypothese + Erfolgskriterium.
  • Start mit den Hebeln: hoher Impact, niedriger Aufwand, geringe Risiken für Zustellbarkeit.

Beispiele für Taktiken (E-Commerce)

  • Warenkorbabbruch-Mail (ggf. mehrstufig) → KPI: Conversion Rate, Umsatz
  • Browse-Abandonment (Kategorie/Produkt) → KPI: Click-to-Conversion
  • Post-Purchase-Serie (Care, Tipps, Cross-Sell) → KPI: Repeat Purchase Rate
  • Personalisierte Betreffzeilen (Name/Interesse/Benefit) → KPI: Click Rate / Click Reach
  • Reaktivierung nach 60/90/120 Tagen → KPI: Reaktivierungsrate, Abmelderate

Beispiele für Taktiken (B2B Leadgen)

  • Lead-Nurture Sequenz nach Download → KPI: MQL→SQL, Terminquote
  • Case Study Drip nach Branche → KPI: Reply/Click-to-Meeting
  • Trigger: „Visited Pricing“ → KPI: Demo-Anfragen

Mini-Template pro Taktik (kopierbar)

  • Taktik:
  • Ziel-KPI:
  • Hypothese: Wenn wir …, dann steigt …, weil …
  • Messung: nach … Tagen / pro Segment …

Deliverability ist kein Technik-Nachtrag, sondern ein Qualitäts-Gate

Du kannst die beste Strategie der Welt haben – wenn die Mails nicht in der Inbox landen, ist es ein Theaterstück ohne Publikum.

  • Permission: saubere Anmeldung, klare Erwartungshaltung, DOI wo sinnvoll
  • Datenhygiene: Hard Bounces raus, Inaktive steuern (Sunset/Winback)
  • Engagement & Frequenz: lieber relevant als “an alle”
  • Beschwerden: Spam-Complaints und Abmeldungen als Frühwarnsystem
  • Authentifizierung: SPF/DKIM/DMARC korrekt und aligned

Tipp: Lege feste Schwellenwerte fest (z. B. Beschwerderate, Bounce-Rate, Inaktivität), ab denen deine Strategie automatisch in den Schutzmodus geht.

Die E-Mail ist ihr eigener größter Feind!

Die Vielseitigkeit und die geringen Kosten sind für das E-Mail-Marketing ein Problem. Viele Marketing Manager konzentrieren sich nämlich in der Folge auf vermeintlich günstige Taktiken wie den "Newsletter an alle", der auch irgendwie "funktioniert". Es ist dann schwer, den Marketingvorstand davon zu überzeugen, mehr Budget zur Verfügung zu stellen. In der Folge sind Marketing-E-Mails oft so schlecht, dass sich Abonnenten früher oder später genervt abwenden. Davon bekommen die Versender wenig mit und das Spiel geht immer weiter.

Ist E-Mail-Marketing Inbound oder Outbound?

Wie schon erwähnt umfasst E-Mail-Marketing verschiedene Marketinginstrumente. Die allermeisten sind vom Charakter her „Inbound“, weil sie die explizite Zustimmung des Kunden bedingen. 

Im B2B-Umfeld ist jedoch auch Email Outreach nicht ungewöhnlich. Das ist eine Form von Outbound Marketing, die sich rechtlich in einer Grauzone bewegt. ISPs und Mail Box Provider haben „gefühltem Spam“ mittlerweile den Kampf angesagt. 

Erfolgsfaktoren für zukunftstaugliches E-Mail-Marketing

E-Mail-Marketing hat viele Gesichter. Und es gibt keine Blaupause für den Erfolg. Auch Best Practice ist problematisch, wenn man keine neuen Ideen evaluiert. Ein paar Erfolgsfaktoren lassen sich jedoch aufzählen.

1. Versende E-Mails ausschließlich auf Basis einer Permission

Höre auf zu Spammen! (Ja, dazu zähle ich auch Email Outreach.) Denn im Kampf gegen gefühlten Spam rüsten ISPs und Mail Box Provider aktuell stark auf. Und berücksichtigen die Reputation des Versenders. Diese ergibt sich nicht mehr nur aus der genutzten IP-Nummer, sondern aus der verwendeten Email Domain. 
Mehr zum Thema Permission Marketing erfährst du hier.

2. Betrachte E-Mail-Marketing ganzheitlich

Leider nutzen viele Versender die E-Mail primär zur Conversion-Maximierung. Ganz gleich, ob Kunden einen Bedarf an der angebotenen Leistung haben oder nicht. Versuche, Kunden entlang ihrer kompletten Customer Journey und des Customer Lifecycles optimal mit Informationen und Angeboten zu versorgen. Damit sie sich wertgeschätzt fühlen.

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3. Nuzte das Double-Opt-in-Verfahren (DOI)

Ohne „Permission“ (Opt-in) ist der Versand von werblichen E-Mails in den wenigsten Fällen gestattet. Deshalb hat sich das Double-Opt-in-Verfahren (kurz: DOI) durchgesetzt. Nutze also unbedingt Anmeldeprozesse, welche den Anforderungen der DSGVO genügen. Es schafft nicht bloß Rechtssicherheit, sondern hilft auch bei der Validierung neuer Adressen.

double-opt-in-verfahren

3. Versende nur relevante E-Mails

Nerve User nie mit E-Mails, deren Inhalte für sie uningteressant oder unwichtig sind. Ohne Daten ist das natürlich schwierig, aber du kannst von Anfang auf die Erwartungshaltung der Abonnenten einzuwirken. Setze dazu auf einer Kombination aus Segmentierung und Personalisierung.

4. Achte kontinuierlich auf Datenhygiene

Achte darauf, dass ungültige Kontakte (fehlerhafte E-Mail-Adresse) und Kontakte ohne Opt-in (inklusive den Abmeldern) umgehend aus deinen Listen verschwinden. Nutze dazu ein professionelles Bounce Management. Auch länger inaktive Kontakte solltest du nach spätestens 8-10 Monaten zumindest temporär aus deinen Listen entfernen.

5. Zustellbarkeit überwachen

Die bislang genannten Punkte wirken sich alle positiv auf die E-Mail-Zustellbarkeit deiner E-Mails aus. Und dennoch solltest du (vor allem bei hohen Versandvolumen) mögliche Verstöße gegen Richtlinien der Mail Box Provider (Spambeschwerden, Authentifizierung etc.) im Blick behalten. 

6. Permanente Optimierung

Im optimalen Fall hast du Ziele im Rahmen einer E-Mail-Marketing-Strategie festgelegt. Doch manchmal stocken die Maßnahmen. Nicht nur dann gilt: Klammere dich nie zu lange an den Status quo. Und schon gar nicht an Best Practice. Probiere stattdessen immer wieder neue Ideen aus. Und stütze die dabei nicht allein auf Metriken wie Click Rate oder Open Rate.

FAQ: E-Mail-Marketing-Strategien

Was ist der Unterschied zwischen Ziel, Strategie und Taktik?

Ziel beschreibt das gewünschte Ergebnis (z. B. mehr Retention). Strategie beschreibt den Weg dorthin (z. B. Journey-basiert segmentieren und Value liefern). Taktiken sind konkrete Maßnahmen (z. B. Post-Purchase-Serie, Reaktivierung, Warenkorbabbruch).

Wie viele Fokus-KPIs sollte ich definieren?

Idealerweise 2 bis 4 Fokus-KPIs. Mehr führt fast immer dazu, dass du zwar viel misst, aber wenig steuerst.

Welche KPIs sind für E-Mail-Marketing wirklich „strategisch“?

Strategische KPIs hängen am Geschäftserfolg, z. B. Umsatz pro Empfänger, Repeat Purchase Rate, Trial-to-Paid, Churn Rate oder Pipeline/Termine. Öffnungsraten können ergänzen, sind aber selten ein Primärziel.

Wie formuliere ich eine Strategie, ohne Taktiken oder Tool-Features zu nennen?

Nutze einen Satzbau wie: „Wir erreichen Ziel, indem wir Segment in Journey-Phase mit Wertversprechen unterstützen, um Verhalten zu erhöhen und Risiken zu senken.“ Das bleibt bewusst abstrakt und trotzdem klar.

Wie wähle ich die richtigen Segmente aus?

Starte mit Segmenten, die direkt am Ziel hängen: z. B. Neukunden, Churn-Risiko, High-Value-Käufer, Inaktive oder Trial-Nutzer. Erst danach feiner werden.

Wie viele Taktiken sollte ich gleichzeitig starten?

Weniger ist mehr: pro Segment 1–3 Taktiken. So kannst du sauber messen, statt alles parallel „irgendwie“ zu machen.

Was sind typische Fehler beim Aufbau einer E-Mail-Strategie?

Die häufigsten: zu viele Ziele, keine Baseline, Strategie = Liste von Taktiken, Best Practice blind kopieren und Zustellbarkeit erst beachten, wenn es brennt.

Wie hängt Zustellbarkeit mit Strategie zusammen?

Strategie beeinflusst Zustellbarkeit indirekt: Relevanz, Frequenz, Listenhygiene und Beschwerderaten sind Ergebnis von Entscheidungen. Eine gute Strategie reduziert „Newsletter an alle“ und erhöht gezielte, wertvolle Kommunikation.

Wie lange dauert es, bis eine Strategie messbar wirkt?

Quick Wins siehst du oft nach 2–6 Wochen (z. B. Trigger-Mails). Für echte Effekte auf Retention/Churn plane eher 8–12 Wochen oder länger, je nach Kauf- bzw. Nutzungszyklus.

Brauche ich dafür ein CRM oder Marketing-Automation-Tool?

Nicht zwingend. Eine Strategie funktioniert auch mit einem einfachen ESP. Tools helfen bei Segmentierung und Triggern, aber der Hebel ist zuerst: Ziele, Segment-Logik, Value und Messung.

Ergänzende Artikel

Fazit

Eine gute E-Mail-Marketing-Strategie startet nicht mit „welches Tool kann was?“, sondern mit Ziel, Fokus-KPIs und einem klaren Weg zum Kunden. Formuliere zuerst die Strategie entlang der Journey (ohne Taktiken), leite dann passende Maßnahmen ab und miss konsequent. So ersetzt du Aktionismus durch System und verbesserst ganz nebenbei Relevanz, Performance und Zustellbarkeit.

Frank Rix: Autor, Berater und Freelancer
Über den Autor

Moin aus Hamburg!
Ich bin Frank und seit Mitte der 1990er im Digitalmarketing unterwegs. Meine Schwerpunkte sind CRM und Marketing Automation. Besonders gern entwickle ich schlagkräftige Strategien für E-Mail-Marketing.